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Gewässerschutz
Gewässerschutz

Mit Ausnahme des Alpensalamanders brauchen alle heimischen Amphibienarten zur Fortpflanzung Gewässer. Nur der Feuersalamander bevorzugt dabei Bäche und hier die fischfreien Oberläufe. Alle anderen Arten gehen am liebsten in stehende Gewässer, wobei deren Ausstattung und Größe von Art zu Art unterschiedlich sein sollte. (Bestimmungshilfe)

Für einen nachhaltigen Amphibienschutz ist es also besonders wichtig, sich auch mit artgerechten Gewässern zu beschäftigen.

Grundlegend ist dabei, dass man weiß, wem das Gewässer, der Teich, den Amphibien nutzen, gehört, wer ihn gepachtet hat. Dabei kann in der Regel die örtliche Gemeinde helfen.

Möchte man ein Gewässer neu anlegen, muss man sich bei der zuständigen Gemeinde nach den Besitzverhältnissen am geplanten Gewässerstandort erkundigen. Sowohl für einen Grundstückskauf als auch für die Anlage eines Gewässers gibt es Fördermittel.

Rahmenbedingungen:

Naturnahe Gewässertypen:

Fischteiche:

Gewässerplanung:

 

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Welche Amphibien können mit welchem Gewässertyp unterstützt werden?

  Rote Liste Status Bayern aktuell struktur- armer Fisch- teich struktur- reicher Fisch- teich struktur- reicher, extensiv genutzter Teich klassi- scher Tümpel, schattig klassi- scher Tümpel, sonnig Pfütze, Wagen- spur mit Vegetation vegeta- tionslose, vollson- nige Pfütze Bach- oberlauf
Alpensalamander 4S                
Feuersalamander 3         x     xx
Kammmolch 2   x xx   x      
Bergmolch     x x x x x    
Teichmolch     x x   x x    
Fadenmolch 4S   x x x x x    
Geburtshelferkröte 1     xx          
Gelbbauchunke 3         x xx    
Knoblauchkröte 2   x xx   x      
Laubfrosch 3   x xx   x      
Erdkröte   x x x   x      
Wechselkröte 1           xx    
Kreuzkröte 3           x xx  
Teichfrosch     x xx   x      
Seefrosch   x x xx          
Kl. Wasserfrosch       x   x      
Springfrosch 2     x   xx      
Moorfrosch 1     xx   x      
Grasfrosch     x xx   x x    


X - kommt hier vor   XX - bevorzugter Gewässertyp      Download Tabelle (.pdf, 10kB)

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Artenschutz über Gewässerschutz

Je nach vorkommender oder zu schützender Art sind entsprechend bestimmte Gewässertypen anzulegen bzw. zu schützen.

Für alle entscheidend ist natürlich die Wasserqualität: Diese bestimmt über das Nahrungsangebot für die Jungamphibien, diese bestimmt auch über das Nahrungsangebot für die erwachsenen Amphibien, die im oder am Wasser Futter suchen.
Entscheidend ist die Gewässergröße: Hochbedrohte Arten wie Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Wechselkröte gehen selten in die klassischen Naturschutzgewässer, gehen nicht in Gartenteiche!

Entscheidend ist die Wasserströmung: Außer dem Feuersalamander meiden Amphibien in der Regel fließendes Wasser während der Fortpflanzungszeit. Im Winter dagegen können schwach strömende Quelltöpfe aktiv von im Wasser überwinternden Grasfröschen aufgesucht werden.

Entscheidend ist der Fischbesatz: Wichtig sind in diesem Zusammenhang die eingesetzten Fischarten. Bei klassischem Nutzfischbesatz gilt: Es gibt Amphibienarten, die Gewässer mit Fischen zur Fortpflanzung nutzen können. Es gibt Amphibienarten, die einen kontrollierten und professionellen Fischbesatz akzeptieren, eventuell auch auf ihn angewiesen sind.

Es gibt aber auch Amphibienarten, die sich in Gewässern mit Fischen nicht fortpflanzen können. Dies gilt auch für den Besatz mit Friedfischen, wie er Gartenteichbesitzern empfohlen wird.

Entscheidend ist vor allem der Strukturreichtum: Gerade bei größeren Gewässern ist der Anteil an Flachwasserzonen, Steilufern, vegetationsreichen und vegetationsarmen Ufern oder Gewässerregionen oft entscheidend für das Artenspektrum.

Bei optimaler Ausstattung und entsprechendem Arteninventar in der Region können an solchen Gewässern bis zu 12 Amphibienarten vorkommen!


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Fischteichgestaltung

Fischteiche sind häufig sehr strukturarm: Sie haben oft einheitlich steile Ufer; die Ufer, die Teichrandbereiche, der Gewässerboden und die Wasseroberfläche sind vegetationslos. Gerade einmal einige Bäume werden geduldet. Dabei muss zwischen Forellen- und Karpfenteichen unterschieden werden. Während in der Forellenteichwirtschaft auf Grund der Bewirtschaftungsform keine Möglichkeit zur Strukturverbesserung gibt, können in der Karpfenteichwirtschaft durchaus Strukturverbesserungen durchgeführt werden.

Besonders strukturarm sind neu angelegte Fischteiche mit ausgesteinten Ufern und häufig auch Teiche, die durch Angelvereine zu Freizeitzwecken genutzt werden.

Ursache ist gerade bei Angelvereinen eine bestimmte Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit, sowie die komfortable Nutzungsmöglichkeit freier Uferstreifen. Dies hat jedoch nichts mit dem fischereilichen Ertrag der Teiche zu tun!

Auch professionell genutzte Teiche sind häufig strukturarm, es existieren jedoch auch häufig vernachlässigte Randbereiche und extensiv genutzte Ufer. Da ein professioneller Teichwirt kein Interesse an Freizeitbetrieb an seinen Teichen hat, gestaltet er vor allem die Ufer möglichst wenig einladend.
Ein professioneller Karpfenteichwirt ist im Jahresverlauf nur an wenigen Tagen an seinen Teichen (schubweise: Bespannen und Besetzen, Vermehrung, Abfischen, Teichpflege, etc.); Teiche von Angelvereinen oder Hobbyteichwirten werden häufig und vor allem an Tagen mit schönem Wetter und an den Wochenenden, teilweise intensiv, genutzt - um so größer ist der Anreiz, aufwändige Uferpflege zu betreiben.

Was kann getan werden?
Nur die Erdkröte kann problemlos mit fast allen Fischarten auskommen. Alle anderen Amphibienarten brauchen Nischen und Rückzugsräume, in denen sie den Fischen ausweichen können. Ein strukturarmer Teich wird daher in der Regel immer nur von Erdkröten erfolgreich zur Fortpflanzung genutzt werden. Ideal ist ein strukturreicher und vielgestaltiger Teich mit unterschiedlichen Vegetationszonen, in dem sowohl Fische als auch verschiedenen Amphibienarten ihre Ecken finden können.
Neben Amphibien können hier auch viele seltene Pflanzenarten, Libellen, etc. leben und einem naturverbundenen Hobbyangler unzählige schöne Naturerlebnisse bescheren. Soll ein wichtiges Amphibienfortpflanzungsgewässer geschaffen werden, heißt es häufig intensive Überzeugungsarbeit leisten. Dabei können die untere Naturschutzbehörde und Förderprogramme unterstützen.

Professionelle Teichbewirtschafter werden immer die wirtschaftliche Nutzbarkeit ihrer Teiche in den Vordergrund stellen - aber auch hier gibt es Gestaltungsspielräume, die den Amphibien zugute kommen können. Auch hier stehen Förderprogramme zur Verfügung. Neben Ruhezonen im Gewässer ist auch wichtig, dass es Ruhezonen am Ufer gibt: Zumindest ein Ufer oder Uferbereich sollte ungestört und sich selbst überlassen bleiben. Hier sollten sich Überwasserpflanzen wie Rohrkolben, Schilf und Binsen sowie Sträucher weitgehend ungestört entwickeln können, so dass Amphibien hier ungestört fressen, sich verstecken oder sich sonnen können. Regelmäßige Pflege auch dieser „wilden" Ufer ist jedoch notwendig, wenn der Beschattungsgrad oder der Laubeintrag zu groß wird. Ideale Uferseiten sind diejenigen, die lange vollsonnig liegen. Ungeeignet ist dagegen die Mönchseite, da die Mönche (Ablassbauwerk) regelmäßig kontrolliert werden müssen.

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Zu- und Ablauf, abgelassene Teiche

Gerade bei intensiv oder intensiver genutzten Teichen weichen Amphibien gerne in die Zu- und Abläufe aus. In den Abläufen leben auch häufig Amphibienlarven, die aus den Teichen ausgeschwemmt wurden. Auch die Restwasserflächen abgelassener Teiche werden, wenn sie nicht zu klein sind, gerne von Amphibien genutzt. Durch Gespräche mit den Teichnutzern sollten diese auf Amphibienlarven aufmerksam gemacht werden. Schon durch einfache Maßnahmen wie Wasserzufuhr bei Wassermangel, Verzicht auf Grabenräumung zur Larvenzeit oder durch Bespannen eines abgelassenen Teiches zur richtigen Zeit kann hier viel für Amphibien getan werden.

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Ablassen und Bespannen von Teichen

Das Ernten von Speisefischen, aber auch die regelmäßige Kontrolle des Fischbesatzes erfordern ein Ablassen der Teiche. Auch Naturschutzteiche sollten daher bei Bedarf über einen Mönch abgelassen werden können!

  • Auch Naturschutzteiche sollten regelmäßig abgelassen und ggf. gewintert werden.

  • Die Teiche sollten dann abgelassen werden, wenn die Larven und Hüpferlinge der zu unterstützenden Amphibienarten zum größten Teil das Wasser verlassen haben.

  • Die Teiche sollten vor der Zuwanderung der Amphibien wieder bespannt werden. Dabei kann besonders in Teichgruppen speziell zwischen Frühlaichern (Erdkröte, Grasfrosch) und Spätlaichern (Laubfrosch, Knoblauchkröte) unterschieden werden!

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Schlittschuhfahren, Schwimmen, Bootsbetrieb

Eine Nutzung eines Gewässers sowohl im Sinne des Artenschutzes, als auch des Freizeitbetriebes ist nur möglich, wenn das Gewässer eine ausreichende Größe aufweist. Auch bei Teichen müssen sich, geeignete Morphologie vorausgesetzt (ausreichende Größe und Tiefe, etc.), eine extensive Freizeitnutzung z.B. durch die Bewohner des benachbarten Ortes und die fischereiliche Nutzung nicht ausschließen.

In Baggerseen kann bei entsprechenden Ufergestaltungen und bei Absperrung von bestimmten Gewässerabschnitten (Ruhe- und Tabuzonen) sowohl Freizeitbetrieb als auch Artenschutz stattfinden. In allen Fällen wichtig ist eine räumliche Trennung von Freizeitnutzung und Naturschutz, d.h. eine räumliche und/oder zeitliche Einschränkung der Freizeitnutzung.

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Amphibien und Fische

Klassisch fischereilich genutzte Gewässer werden nur von einer, maximal von vier Amphibienarten genutzt. Dies sind in der Regel vor allem Erdkröte, aber auch andere vergleichsweise unempfindliche Arten wie Wasserfrosch, seltener Teichmolch und Grasfrosch. Häufig sind gerade Teiche, die von Hobbyanglern genutzt werden, besonders amphibienarm. Selten sind Fischteiche, in denen bis zu acht oder zehn Arten vorkommen. Darunter sind dann auch Arten, die in den Roten Listen als hoch gefährdet eingestuft werden. Nimmt man diese Beobachtungen als Grundlage lässt sich folgende Tabelle der „Fischempfindlichkeit" erstellen:

  fischungeeignete Fortpflanzungsgewässer unempfindlich geringe Empfindlichkeit mittlere Empfindlichkeit hohe Empfindlichkeit
Alpensalamander x        
Feuersalamander (x)        
Kammmolch         x
Bergmolch     x    
Teichmolch     x    
Fadenmolch     x    
Geburtshelferkröte         x
Gelbbauchunke x        
Knoblauchkröte       x  
Laubfrosch       x  
Erdkröte   x      
Wechselkröte x        
Kreuzkröte x        
Teichfrosch         x
Seefrosch     x    
Kl. Wasserfrosch     x    
Springfrosch       x  
Moorfrosch         x
Grasfrosch       x  

Download Tabelle (.pdf, 13 kB)

Bemerkenswerterweise gibt es vor allem ältere Veröffentlichungen (Clausnitzer 1983; Literatur), in denen Fischteiche beschrieben sind, die auch von „teichuntypischen Arten" wie Kreuzkröte und Gelbbauchunke zur Fortpflanzung genutzt wurden. Es wurde festgestellt, dass nicht die Anwesenheit von Fischen der ausschlaggebende Faktor ist, sondern der Strukturreichtum und die Art der Strukturen in und um einen Teich.

Im Landschaftspflegekonzept Bayern (Band II.7, Teiche; Literatur) wird folgendes Modell als Idealgewässer angegeben:

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Professionelle Teichnutzung

Auch in der professionellen Teichwirtschaft kann Amphibienschutz realisiert werden. Vorhandene Laich- und Jungfischteiche stellen wertvolle Amphibienbiotope dar. Dubischteiche können beispielsweise im Anschluss an die Brütlingserzeugung wieder bespannt werden und so dem Amphibienschutz dienen.
In größeren Teichen können Schilf- und Röhrichtzonen angelegt werden und so als Amphibienbiotope dienen. Wird in der Anlage klassisch gearbeitet und Teiche in der Trockenphase mit Senf- oder Grassaat bepflanzt (Gründüngung), so dient dies nach dem Bespannen auch als Amphibienlaichsubstrat.

Im Uferbereich, der nicht durch Fahrzeuge befahren werden muss (Abfischen, etc.), können Sträucher angepflanzt werden und so die Uferstrukturvielfalt gesteigert werden.
Auch beim Abfisch- und Bespannungszeitpunkt können die Bedürfnisse der vorhandenen Amphibien berücksichtigt werden. Gerade bei extensiver Bewirtschaftung stellen diese strukturverbessernden Maßnahmen eine wertvolle Bereicherung des Lebensraums Gewässer dar.

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Freizeitangeln

Gerade bei nicht allein wirtschaftlich genutzten Teichen dient eine natürliche Gewässerstruktur nicht nur dem Amphibienschutz, sondern erhöht in gleichem Maße auch die Lebensbedingungen der vorhandenen Fischfauna. In heutiger Zeit wird das Naturerleben am Gewässer höher eingeschätzt als der Bequemlichkeitsfaktor eines Put- and- Take-Sees.

Strukturreiche Gewässer bieten dem Angler neben dem Naturerlebnis auch eine gesteigerte Artenvielfalt und eine fischereiliche Herausforderung. Dem Angler als Naturfreund eröffnet sich so eine Lebensvielfalt um und am Gewässer, die den Erholungswert nochmals steigert:

  • Am Ufer stehende Bäume und Strauchbewuchs können so angelegt werden, dass dazwischen bewuchsarme Nischen entstehen, an denen man an das Gewässer gelangen kann.
  • Intakte Wasserpflanzen -, Schilf- und Röhrichtzonen dienen als Laichsubstrat und bieten Jungfischen, Amphibien und Wasservögeln Lebensraum.

Der Fischbesatz auch eines hobbymäßig betriebenen Teiches sollte immer kontrolliert sein - dies erfordert ein regelmäßiges Ablassen und ein regelmäßiges kontrolliertes Bespannen.
Werden mehrere Teiche gleichzeitig bewirtschaft, sollten einzelne Gewässer frei von Fischen, vor allem von Barschbesatz bleiben, da diese Fische einen erhöhten Fraßdruck auf die Amphibienpopulationen ausüben.
Werden mehrere Gewässer gleichzeitig bewirtschaftet, sollten diese unterschiedlich strukturiert sein (ein vegetationsreicher Teich, ein vegetationsarmer, ein gesömmerter usw.) - je mehr Strukturvielfalt, um so mehr Arten sind zu erwarten.

Fische gehören zu den bedrohtesten Tiergruppen überhaupt: Es sollte überlegt werden, ob man an seiner Teichanlage (ggf. unter fachlicher Anleitung) gerade seltene Arten fördern kann - die Bezirksfischerei oder der Landesfischereiverband beraten sicherlich.

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Naturschutzteich und periodischer Teich

Wurde ein Teich aus Naturschutzgründen gekauft oder gepachtet, sollte er ökologische Defizite so gut es geht ausgleichen helfen.

Wichtig ist ein Nutzungs- und Pflegekonzept, in dem die Schutzziele und Maßnahmen zum Erreichen der Schutzziele dargestellt sind: Wichtig ist dabei nicht der Umfang eines Gutachtens, sondern das sich selbst über die Naturschutzziele klar werden!
Gewässer sind immer Attraktionspunkt, sind wichtiger Lebensraum oder Teillebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten - darunter sind auch viele in Bayern hoch bedrohte Arten. Amphibien sind ein Teil davon, sie können wichtige Zielarten für ein Pflegekonzept und wichtige Indikatoren für den Erfolg von Pflegemaßnahmen sein.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Strukturvielfalt geboten wird, desto mehr Arten sind zu erwarten. Gerade in Teichanlagen eröffnen sich oft (fast) unbegrenzte Möglichkeiten. Es wird empfohlen, sich über die Schutzziele und eventuell notwendige Maßnahmen an einem Gewässer mit der Naturschutzbehörde zu beraten

Dauerhaft wasserführende Naturschutzteiche müssen teichwirtschaftlich gepflegt werden. Der Umfang, die Häufigkeit und die Art der notwendigen Maßnahmen müssen auf die natürliche Entwicklung des einzelnen Teiches abgestimmt werden. Auch hier sollte man sich mit der Naturschutzbehörde und mit der Bezirksfischerei beraten.

Jährlich oder in größeren Abständen austrocknende Teiche sind bei richtiger Planung pflegeextensiv und attraktiv für eine besonders große Artenanzahl.

Gerade dauerhaft wasserführende Naturschutzteiche bieten die Chance auch selten gewordene Fischarten zu unterstützen. Dies erfordert in der Regel teichwirtschaftliche Maßnahmen, die professionell durchgeführt werden müssen. Es empfiehlt sich die Kooperation mit einem Fachmann, der über die Bezirksfischerei erfragt werden kann.

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Gewässerneuanlage

Beratung kann durch die Naturschutzbehörde des Landratsamtes, das Wasserwirtschaftsamt und die Bezirksfischerei erfolgen. Tümpel sollten unter folgenden Voraussetzungen geplant und realisiert werden:

  • Hinterfragen der Eigentumsverhältnisse
  • Hinterfragen der Kosten
  • Hinterfragen der Fördermöglichkeiten
  • Hinterfragen, welche Arten damit unterstützt werden sollen
  • Hinterfragen, ob genug Wasser (zumindest von März bis August) zur Verfügung steht
  • Hinterfragen, ob am ausgesuchten Ort gefährdete Pflanzen- und Tierarten vorkommen
  • Hinterfragen, ob am ausgesuchten Ort besonders geschützte Biotope (z.B.: Art. 13d BayNatSchG) vorkommen

Weiterhin sind eventuell notwendige Genehmigungsverfahren zu beachten:

  • beim Anschneiden von Grundwasser
  • bei einer Größe von mehr als 500 m²
  • bei einer Tiefe von mehr als 2 m

Wann ein Genehmigungsverfahren einzuhalten ist, kann im Landratsamt, Abteilung Wasserwirtschaft oder beim Naturschutz erfragt werden.

  • Es muss geklärt sein, was mit dem Erdaushub passiert - Wälle um das Gewässer können als Schutz oder Bereicherung der Landschaft sinnvoll sein. Wälle um Gewässer können aber auch stören bzw. es kann die Auflage gemacht werden, dass das Erdreich abgefahren werden muss.
  • Grundsätzlich sollten Naturschutzgewässer nur unter Nutzung von natürlichen wasserstauenden Schichten angelegt werden. Es ist aus grundsätzlichen Gründen (NATURschutz und nicht ZOO) abzulehnen, Gewässer künstlich, d.h. mit Folie, Beton, Lehmschlag, etc. abzudichten. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen (Rücksprache mit Naturschutzbehörde des Landratsamtes oder der Regierung empfohlen) sollte zu diesen Hilfsmitteln gegriffen werden. Bei der Neuanlage eines Gewässers auf schwierigem geologischen Untergrund ist zu beachten, dass bestehende Stauschichten durch die Baumaßnahme nicht durchbrochen werden.
  • Mehrere kleinere und unterschiedliche Gewässer sind aus Amphibienschutzgründen meist wertvoller als ein großes Gewässer!
  • Jährlich oder in größeren Abständen austrocknende Teiche mit großen Verlandungszonen sind meist wertvoller als klassisch strukturierte Teiche.
  • Gewässer sollten immer so angelegt werden, dass sie nicht über eine Anbindung an ein Fließgewässer gespeist werden müssen. Die Nutzung eines Fließgewässers zur Sicherstellung des Wassergehaltes eines Stillgewässers ist ausnahmsweise nur dann zu empfehlen, wenn der Zulauf über ein Wehr, ein Sperrbrett geregelt erfolgen kann (genehmigungspflichtig - Wasserrecht beachten!), und wenn der Nährstoffeintrag über das Fließgewässer gering ist, es also nicht zur Aufdüngung des Gewässers kommen kann.

Sind alle offen stehenden Fragen geklärt, kann mit Hilfe geeigneter Geräte gebaut werden. Dies erfolgt am besten zwischen November und Januar, da hier, vor allem auf gefrorenem Boden, die geringsten Störungen entstehen.

Initialpflanzungen und Initialbesatz mit Tieren sind grundsätzlich abzulehnen - was in ein Gewässer passt, wird in der Regel auch allein zum neuen Gewässer finden! Wir empfehlen:

Geduld haben, beobachten und aufschreiben, wer und was in welchem Jahr in welcher Menge auftaucht (Kartierblatt Gewässer)

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Gewässerpflege

Gewässerpflegemaßnahmen an Naturschutzgewässern müssen mit der aus Naturschutzgründen festgelegten Zielsetzung übereinstimmen! Gewässerpflegemaßnahmen sollten in Gebieten mit mehreren ähnlichen Gewässern nicht für alle diese Gewässer gleichartig erfolgen - sie sollten in Abstimmung mit dem Entwicklungsstadium der anderen Gewässer durchgeführt werden: Hat man mehrere ähnliche Tümpel in einem Gebiet, müssen nicht alle entlandet werden - gerade verlandende Tümpel sind sehr selten und oft aus Naturschutzgründen sehr wertvoll!

Gewässerpflegemaßnahmen sollten immer im Winter erfolgen, da zu dieser Zeit die Störung am geringsten ist. Sie sollten selten erfolgen - bei einem neu angelegten Tümpel sind erste Pflegemaßnahmen selten nach 5 Jahren, in der Regel erst viel später notwendig.

Pflegemaßnahmen sind u.a. erforderlich, wenn:

  • durch zu viel Laubeintrag Faulschlamm entsteht
  • durch zu viel Eintrag von Nadeln etc. eine Versauerung erfolgt
  • durch zu starkes Pflanzenwachstum die Wasserfläche so weit reduziert wird, dass die Schutzziele des Gewässers nicht mehr erreicht werden.

Pflegemaßnahmen müssen immer mit den Schutzzielen des Gewässers und dem Schutzbedarf der Tier- und Pflanzenarten in der Region abgestimmt sein.

Ein Tümpel sollte bei Bedarf mit einem Bagger teilentlandet werden: Hierzu eignen sich besonders Bagger, die mit Hilfe eines langen Arms und eines flachen Löffels vom Ufer aus überschüssiges Bodenmaterial entnehmen.

Dieses Material sollte in Ufernähe einige Tage liegen bleiben, da so mitgenommene Tiere wieder zum Gewässer zurückgehen können. Zusätzlich reduziert sich das Gewicht des gegebenenfalls abzufahrenden Materials erheblich, da alles Wasser zwischenzeitlich ablaufen kann. Teichpflege erfolgt in abgelassenem Zustand

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Klein- und Kleinstgewässer

Gerade viele hoch bedrohte Amphibienarten benötigen Klein- und Kleinstgewässer als Fortpflanzungsgewässer. Diese Arten nutzen in der Regel klassische Naturschutztümpel nicht, sondern bevorzugen Vernässungsstellen, Rückespuren oder Wildschweinsuhlen daneben. Sollten im Umfeld Gelbbauchunken, Kreuzkröten oder Wechselkröten vorkommen, sollte überlegt werden, ob und wie ein Netz von Klein- und Kleinstgewässern geschaffen werden kann, um diese hoch bedrohten Arten speziell zu unterstützen. Nicht umsonst werden diese Arten zur Zeit noch am häufigsten in Abbaugebieten oder auf Truppenübungsplätzen gefunden - hier entstehen Pfützen, Fahrspuren und kleine Tümpel nebenbei und in großer Vielfalt. Ziel eines modernen Amphibienschutzes sollte sein, dass die Arten diese Bedingungen auch wieder in ihren eigentlichen, in ihren natürlichen Lebensräumen finden können!

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Gewässerumgebung

Nur wenige Amphibienarten halten sich nur kurz am Fortpflanzungsgewässer auf. Viele Arten verbringen hier viele Tage (Braunfrösche), einige auch viele Wochen (Laubfrosch) wenn nicht sogar das ganze Jahr (Grünfrösche). Die Tiere verbringen hier eine sehr anstrengende und gefährliche Zeit: Sie kämpfen um Weibchen und um Territorien, brauchen viel Energie für die Produktion von Eiern oder Spermien und gleichzeitig sind sie für Fressfeinde sehr auffällig, da sie sich beim Werben um Weibchen, beim Ablaichen auffällig verhalten.

Die Qualität der Gewässerumgebung ist daher von entscheidender Bedeutung: Hier müssen sie ungefährdete Sonnenplätze finden, hier müssen sie gute Versteckmöglichkeiten und auch vor allem gute Fressbedingungen vorfinden. Diese Bedingungen werden am besten an Gewässern erfüllt, deren Umfeld reichhaltig strukturiert und artenreich ist. Ufermahd sollte nur dort stattfinden, wo sie unumgänglich ist. Dichte Waldgebiete sind dabei genau so ungeeignet wie gepflegte Rasenflächen! Auch ein gesommerter (im Sommer trocken liegender) Teich kann ein guter Sommerlebensraum sein!

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Auen

Weder Fischteiche noch künstlich gegrabene Waldtümpel oder Wagenspuren gehören zu den ursprünglichen Gewässertypen Bayerns. In den Wäldern konnten nur kleinere Gewässer in den Wurzeltellern umgestürzter Bäume oder im Bereich von Suhlen entstehen. Von entscheidender Bedeutung für die meisten Arten war die Gewässervielfalt, die in Bach- und Flussauen auf natürliche Weise entstand. Bäche und Flüsse hatten außerhalb der engen Täler Raum, um Gelände zu modellieren. Jedes Hochwasser ließ ein neues Netz an kleinen und größeren und an neuen Gewässern entstehen. Daneben gab es auch einige Jahre lang stabile größere Gewässer im Bereich der Altwasser.

Untersuchungen an Flüssen mit (quasi-) natürlicher Flussdynamik zeigen, dass allein das Zulassen dieser dynamischen Gewässerentwicklung zu weit größeren Zunahmen bei Amphibienpopulationen führt als jede andere Amphibienschutzmaßnahme. Und das bei gleich mehreren Arten, und das auch bei hoch bedrohten Arten!

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