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Schutz an Straßen konkret

Egal welche Schutzmöglichkeit man für sinnvoll hält: Es ist immer wichtig und meist auch notwendig, sich rechtzeitig (spätestens im Januar) mit Amphibienschutzexperten und/oder betroffenen Behörden darüber zu unterhalten. Ansprechpartner vor Ort können sein:

  • Untere Naturschutzbehörde
  • Kreis-, oder Ortsgruppe des BN
  • LBV
  • Landschaftspflegeverband
  • Baulastträger

Der Baulastträger ist die für den Unterhalt der Straße zuständige Behörde. Es sind zuständig bei:

  • Ortsverbindungsstraßen oder Straßen innerorts: Gemeinde, Stadt
  • Kreisstraße: Landkreis
  • Staatsstraße, Bundesstraße: Straßenbauamt
  • Autobahn: Autobahndirektion

Bei diesen Ansprechpartnern finden Sie Informationen und Erfahrungsberichte mit bestimmten Schutzmaßnahmen, Unterstützung beim Beschaffen von notwendigen Materialien, Genehmigungen für Beschilderungen, etc.


Die gängigsten Schutzmöglichkeiten

 

Beschilderung
ist eine kostengünstige, aber weder für die Amphibien noch für die Helfer Erfolg bringende Lösung.

Autofahrer halten sich in der Regel nicht an eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch auf wandernde Amphibien nehmen sie keine Rücksicht - meist da sie diese nicht wahrnehmen.

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Mobiler, saisonaler Amphibienzaun
ist eine vergleichsweise kostengünstige Lösung, die aber mit einem großen und jährlich wiederkehrenden Organisationsaufwand (Checkliste Zaunaufbau; .pdf-Datei 13 kB) verbunden ist:

  • Amphibienwanderungen ziehen sich in der Regel 6 Wochen lang hin.
  • Gerade bei individuenstarken Wanderwegen ist die Betreuung durch 1 oder 2 Personen normalerweise nicht zumutbar. Das heißt, es muss eine Helfertruppe gefunden und organisiert werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass Entschädigungsgelder beantragt werden können, empfiehlt es sich, den Helfereinsatz zu organisieren. Hierfür stellen wir Ihnen ein Excel-Formular bereit, das jedes Jahr angepasst werden kann und die Organisation der Helfer untereinander, aber auch die Abrechung erleichtern hilft: Formular zur Organisation einer Helfergruppe herunterladen (Excel-Datei, 18kb)
  • Zusätzlichen Aufwand bedeutet die Organisation des Zaunmaterials, der Aufbau und der Abbau des Zaunes und die Einlagerung des Zaunes. Dies erfolgt an vielen Straßen inzwischen durch den Baulastträger (Ansprechpartner)  - die örtlichen Betreuer müssen "nur" die Startzeichen zum Auf- und Abbau geben und die Betreuung vornehmen.

Blechzaun Folienzaun

Es stehen verschiedene Zaunmaterialien zur Verfügung (Holz, Blech, Kunststoff, Draht), Materialien, die im Baumarkt besorgt werden können oder auch Materialien, die speziell als Amphibienschutzzäune gefertigt worden sind (Händleradressen).

Kunststoff Drahtzaun

Welches Material verwendet werden kann, hängt von den zu betreuenden Amphibienarten ab:

  • Tauchen nur Erdkröten am Wanderweg auf, kann ein einfacher Drahtzaun genommen werden, der aber nach unten bündig abschließend in den Boden eingegraben werden muss.
  • Wandern auch andere Arten, muss der Zaun zusätzlich oben gegen die Wanderrichtung umgebogen sein, damit die Tiere ihn nicht überklettern können.
  • Wandern Grasfrösche oder andere sprungstarke Frösche, sollte der Zaun einen Überkletterschutz haben und höher als 30cm sein.

Besonders Wanderwege, die im Umfeld von durch Menschen stark frequentierten Wegen oder Straßen liegen, sollten mit einer Hinweistafel versehen werden, die über die Maßnahme informieren.

Alle Betreuer sollten vor dem Absammeln der Tiere beachten, dass sie Warnwesten tragen, funktionierende Taschenlampen dabei haben, ggf. Werkzeug zum Nachbessern des Zaunes, ....... (Checkliste Sammelanleitung; .pdf-Datei 26 kB).

 

Nebenbei können beim Betreuen wichtige Daten gesammelt werden: Nur über diese Daten kann man Aussagen zu landesweiten Bestandsveränderungen herleiten! Bitte schreiben Sie daher auf, welche Arten (Bestimmungshilfe) und wie viele Tiere welcher Art Sie über die Straße tragen. Der Sammelbogen für Zaunbetreuung ohne Eimer (.doc-Datei 31 kB) kann Ihnen dabei helfen.

Diese Daten können Sie direkt in die Online-Wanderwegsdatenbank auf dieser Homepage eingeben - so behalten auch Sie ohne großen Aufwand den Überblick!

Manchmal empfiehlt es sich, am Zaun Fangeimer zu installieren. Diese Eimer (10-15 l) müssen so eingegraben werden, dass die Amphibien beim Entlanglaufen am Zaun "automatisch" hineinfallen - sie sollten nicht am Zaun entlang um den Eimer herumlaufen können. Gegebenenfalls kann hier am Zaunfuß mit einem Stein oder Erdklumpen eine Wanderbarriere errichtet werden. Sollten Sie Eimer verwenden, hilft Ihnen bei den Erfassungen der Sammelbogen für Zaunbetreuung mit Eimern (.doc-Datei 38 kB) weiter.

Beim Einsatz von Fangeimern besteht die Gefahr, dass Amphibien vertrocknen bzw. erfrieren. In die Eimer sollte man daher eine Handvoll Laub geben, unter dem sich die Tiere verstecken können.

Der Einsatz von Fangeimern verpflichtet die Betreuer zur täglichen Kontrolle: Bei Frosteinbrüchen, bei großer Trockenheit muss morgens und abends kontrolliert werden!

Häufig finden sich in Fangeimern auch andere Tiere z.B. Käfer und vor allem Mäuse. Ein dünner Stock, der vom Boden zum Eimerrand führt, hat sich als Kletterhilfe gerade für Käfer bewährt (Molche sollten ihn aber nicht erklimmen können!). Dennoch sterben gerade Mäuse häufig in Fangeimern. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Kreisgruppe oder bei der Unteren Naturschutzbehörde (Ansprechpartner) nach Experten vor Ort, die diese Tiere bestimmen können: Gerade an Amphibienwanderwegen wurden schon häufig seltene Mausarten festgestellt.

Grenzen dieser Methode
Mit Hilfe eines im Frühjahr provisorisch aufgebauten Zaunes werden in der Regel nur die Zuwanderung von Erdkröten, in selteneren Fällen auch die Rückwanderung der Erdkröten betreut. Die Abwanderung der Jungtiere, die Frühjahrswanderungen anderer Arten und die Herbstwanderung von Erdkröten werden dagegen nicht erfasst. Dies kann langfristig zum Aussterben von Amphibienpopulationen führen.

Die ganzjährige Installation eines Amphibienzaunes würde zwar zu einem weitgehenden ganzjährigen Schutz der Amphibien führen, sie bedeutete aber auch eine ganzjährige starke Beeinträchtigung von Wanderwegen für zahlreiche weitere Tierarten (Kleinsäuger, Eidechsen, Spinnen, Käfer, u.a.).

  • Die ökologisch wichtigen Vernetzungen von Tierpopulationen durch Wanderungen über die Straße sind ganzjährig eingeschränkt - dies betrifft besonders die weniger mobilen Arten, denen die Querung in verkehrsarmen Zeiten ohne Behinderung durch einen Zaun gelingen kann.
  • Da die Zäune in der Regel nur im Frühjahr gewartet werden, entstehen im Lauf des Jahres Undichtigkeiten im Bodenbereich.

Die Betreuung von provisorisch aufgebauten Zäunen ist sehr arbeits- und zeitintensiv. Die Helfermotivation ist daher in der Regel nur dann sichergestellt, wenn eine andere langfristige Lösung in Aussicht steht.

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Ersatzlaichgewässer
Ziel eines Ersatzlaichgewässers ist der Ausgleich des Individuenverlustes (überfahrene Tiere) auf einer Straße durch ein verbessertes Laichplatzangebot an sicherer Stelle. Der "Tierverlust" auf der Straße wird also ausgeglichen durch eine Steigerung der Individuendichte auf Populationsebene (Artenschutzaspekt).

Der Erfolg eines Ersatzlaichgewässers ist in der Regel nur dann gegeben, wenn das Ersatzlaichgewässer eine dem Ursprungsgewässer vergleichbare Größe und Strukturvielfalt hat. Alternativ können auf gleicher Fläche auch mehrere unterschiedlich große und anders gestaltete Gewässer angelegt werden (Gewässerschutz).

Grenzen dieser Methode
Die Anlage allein eines Ersatzlaichgewässers verhindert in der Regel nicht das Überfahrenwerden von vielen Tieren im ursprünglichen Bereich der Straßenquerung. Dieser aus der Sicht des Tierschutzes problematische Sachstand hat zur Folge, dass gerade an individuenstarken Straßenabschnitten weiterhin Helfer anzutreffen sein werden - dies kann dramatische Folgen haben, wenn diese nicht organisiert sind, sie also keine Schutzvorkehrungen (Warnweste, Beschilderung, Taschenlampe) treffen.

 

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Straßensperrung
Eine Straßensperrung wird nur dann von den Autofahrern akzeptiert, wenn sie über fest montierte Sperrplanken erfolgt, die nicht umfahren werden können.

Die Durchführbarkeit von Straßensperrungen muss mit der Naturschutzbehörde und dem Baulastträger (Ansprechpartner) besprochen werden.

Auf die Straßensperrung muss ausreichend und großräumig über Umleitungsschilder und Pressemitteilungen hingewiesen werden.

Die Sperrung einer Straße nur in den "heißen Amphibiennächten" erfordert die Präsenz eines amphibienkundigen Fachmannes, der in der gesamten Wandersaison (in der Regel 6 Wochen pro Jahr) täglich beurteilt, wie sich das Wanderaufkommen entwickeln wird und witterungsabhängig entsprechende Maßnahmen veranlasst. Diese Vorgehensweise ist für den Verantwortlichen sehr nervenaufreibend, so dass er die Funktion in der Regel bald abgeben möchte.

Eine nächtliche Straßensperrung während der gesamten Wandersaison der Amphibien wird in der Bevölkerung eher akzeptiert, da man sich auf die Sperrung einstellen kann.

Grenzen dieser Methode
Der Erfolg von Straßensperrungen ist stark abhängig von der Dauer, vom Verkehrsaufkommen sowie von der Einsicht der Bevölkerung.

Eine Straßensperrung wird normalerweise nur in den Wanderzeiten erwachsener Erdkröten, nicht aber bei der Zuwanderung anderer Arten oder bei der Abwanderung der Jungamphibien durchgeführt.

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Dauerhalte Schutzanlage - Stationäre Amphibiendurchlassanlage
Bei fachgerechter Anwendung der zur Verfügung stehenden Materialien hat ein dauerhaft installiertes Amphibienleitsystem folgende Vorteile:

  • Es ist die derzeit effektivste bekannte Amphibienschutzmaßnahme, die mit einem normalen Betrieb der Straße einhergeht, da u.a. ein ganzjähriger Schutz für Amphibien und andere kleinere, mobilere Tierarten erreicht wird.
  • Der Betreuungsmaßnahmen von Helfern oder Mitarbeitern werden auf ein Minimum reduziert- die Maßnahmen können auch tagsüber ausgeführt werden.
  • Es führt zu keiner oder zu einer vernachlässigbaren Beeinträchtigung des Straßenverkehrs.
  • Der Nachteil liegt in den vergleichsweise hohen Kosten.

BlechzaunDauerhafte Amphibienschutzanlagen sollten nur gebaut werden, wenn alle anderen, für einen dauerhaften Populationsschutz notwendigen Faktoren artgerecht sind.

Stationäre Amphibienschutzanlagen müssen als Sonderbauwerk, als Einzelbauwerk ortsspezifisch, das heißt unter Berücksichtigung der vor Ort gegebenen ökologischen und technischen Rahmenbedingungen geplant und gebaut werden.

Sowohl bei Leitsystemen als auch bei Durchlässen (Tunnel) stehen unterschiedliche Materialien zur Verfügung. Besonders die speziell zu diesem Zweck hergestellten Materialien erfüllen inzwischen ihren Zweck - sofern sie fachgerecht eingesetzt werden. Die gängigsten Händleradressen finden Sie hier. Bitte beachten Sie auch die Studie Baumaterialien für den Amphibienschutz an Straßen - Ergebnisse der Eignungsprüfung an einer Anlage (Herausgeber: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

 

Stationäre Schutzanlagen müssen von Fachleuten geplant und umgesetzt werden, die sowohl von den Amphibien als auch von der Technik Ahnung haben. Die meisten in Bayern existierenden Anlagen erfüllen ihren Zweck nicht ausreichend, das heißt, die Amphibienpopulationen werden dadurch nicht langfristig geschützt.
Es darf nicht passieren, dass mit viel Engagement und Nerven, mit viel politischer Durchsetzungskraft eine Schutzanlage gebaut wird, die dann nicht funktioniert (worstcase)!

Typische Fehler, Kostenfallen und gute Lösungen sind hier zu sehen.

Checkliste: Parameter stationäre Schutzanlage (.pdf-Datei 27 kB)

Ehrenamtliche Arbeit sollte sich in diesem Zusammenhang darauf beschränken:

  • den Anstoß zur Voruntersuchung zur Notwendigkeit einer stationären Schutzanlage zu geben,
  • die Erfahrungen zum Wanderverhalten der Amphibien an diesem speziellen Wanderweg darzustellen,
  • gegebenenfalls eine Amphibien - Sonderuntersuchung zu unterstützen,
  • den Erfolg einer Schutzanlage durch Beobachtungen überprüfen und gegebenenfalls auf Mängel hinzuweisen.

Darüber hinausgehende ehrenamtliche Arbeit im Zusammenhang mit der Planung und der Bauausführung sollte vermieden werden!

Nach derzeitigem Wissen erfüllen fachgerecht geplante und ausgeführte Amphibienschutzanlagen inzwischen in den allermeisten Fällen die Anforderung, dass die Amphibienpopulationen langfristig gesichert werden. Wie bei anderen Bauwerken auch, sollte jedoch immer eine Akzeptanzkontrolle durchgeführt werden, bei der die Reaktion der Amphibien auf das Bauwerk und bautechnische Mängel festgestellt werden können (siehe auch Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen; Literatur). Hierzu hat ein Expertenkreis mit Unterstützung der Firmen Aco, Maibach und Durotec Vorgaben entwickelt, die demnächst veröffentlicht werden.

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Ersatzlaichgewässer, stationäre Schutzanlage und genetischer Austausch
Beim Zusammentreffen von mehreren für Amphibien ungünstigen Faktoren (z.B. vermehrt überfahrene Tiere auf der Straße plus suboptimales Laichgewässer) kann ein Ersatzlaichgewässer plus die dauerhafte Absperrung der Straße gegen das Überfahren werden, eine geeignete Schutzmaßnahme sein. In diesem Fall wird empfohlen, an besonders wichtigen Stellen wenige Durchlässe in das Leitsystem zu integrieren, um einzelnen Tieren den genetischen Austausch zwischen den Amphibienpopulationen zu ermöglichen.

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